Temporalität des Wohnens und Arbeitens – mobil, multilokal und nachhaltig? Ergebnisse einer Studie in den beiden Großstadtregionen Frankfurt am Main und Leipzig
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Wohnen wird in der Regel sowohl lebensweltlich als auch wissenschaftlich als mehr oder weniger dauerhaft konzipiert. Schon seit geraumer Zeit ist jedoch für immer mehr Menschen sowohl ihre Wohn- als auch ihre Arbeitssituation temporär, d.h. sie wissen, dass sie an ihrem Wohnort nur für bestimmte Zeit wohnen werden und/oder ihr Arbeitsverhältnis ist befristet. Eine andere Form des temporären Wohnens stellt das multilokale Leben dar, d.h. ein Wechsel zwischen zwei oder mehr Wohnstandorten, der sowohl als dauerhaftes als auch als befristetes Arrangement gestaltet werden kann.
In diesem Vortrag werden Ergebnisse eines DFG-Projekts vorgestellt, bei dem in den beiden Großstadtregionen Frankfurt a.M. und Leipzig diese temporären Arbeits- und Lebenswelten genauer betrachtet wurden. Dadurch kann zum einen gezeigt werden, wie weit verbreitet temporäre Wohn- und Arbeitsarrangements sind und wie vielfältig sie gestaltet werden. Zum anderen ist es auch möglich, zu zeigen, wie die Betroffenen diese Lebensweise wahrnehmen, bewerten und wie sie ihre Zukunft gestalten möchten. Es kann somit ein sehr differenziertes Bild dieser Arbeits- und Lebenssituationen sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht gezeichnet werden.
Ein zentrales Merkmal dieser Lebensform ist Mobilität in verschiedenen Rhythmen, die z.T. auch eine Migration ersetzt. Dies trifft z.B. auf die Phase der Ausbildung bzw. des Studiums zu, aber auch in vielen Berufen ist Temporalität des Wohnens und Arbeitens nicht nur gängige Praxis, sondern gilt als Bedingung für den beruflichen Aufstieg. Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat zudem das Arbeitsleben rapide verändert und sie hat ambivalent Folgen: einerseits können Wege durch die Arbeit im Home Office entfallen, andererseits ist dadurch die Option für Zweitwohnsitze oder vom Arbeitsplatz weiter entfernte Wohnsitze möglich geworden, was Wege wiederum deutlich verlängert.
Stellt man die Frage, inwieweit temporäre Arbeits- und Wohnarrangements nachhaltig sind, so bieten sich viele Aspekte, über die man diskutieren kann: wie wird die notwendige Mobilität gestaltet? Wie ist die mehrfach notwendige/genutzte Infrastruktur zu bewerten (Stichwort „kalte Betten“)? Welche Folgen hat die temporäre An-/Abwesenheit auf Beziehungen, Familien, soziales Leben, Ehrenamt, Orte, Städte? Welche emotionale Beziehung haben temporär Anwesende zu ihren Wohn-/Lebensorten und vieles mehr.
Ich freue mich auf eine anregende Diskussion dieser Fragen.
Vortrag von Prof. Caroline Kramer (Karlsruher Institut für Technologie)
Veranstaltungsort/-stätte
Universität Bayreuth, GEO I
Universitätsstraße 30,
95447 Bayreuth
Veranstalter:in
Geowissenschaften, Universität Bayreuth
Kontakt Julia Blauhut
Universitätsstraße 30,
95447 Bayreuth
Telefon:
0921 552238
E-Mail-Adresse:
julia.blauhut@uni-bayreuth.de
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